„Einen Cappuccino, bitte, und einmal Waffeln mit heißen Kirschen!“, säuselte die Dame mit dem rosa Hut. „Aber gerne!“, sagte ich und dachte, dass manche Menschen schon einen ziemlich seltsamen Geschmack haben. Ich ging hinter den Tresen und wollte die Bestellung gerade an Luigi, meinen Chef, weitergeben. Nur – Luigi war weit und breit nicht zu sehen. „Hast du Luigi gesehen?“, fragte ich Micha, der gerade eine Cola zapfte. „Ne, der hatte gerade einen wohl ziemlich wichtigen Anruf. Er sprach Italienisch und ist dann hektisch durch die Küche raus.“
Luigi kam an diesem Tag nicht mehr wieder. Das war ja schon öfter mal vorgekommen, doch als ich am nächsten Tag nach der Schule wieder ins „Romeo“ ging, hatte Micha eine sorgenvolle Miene aufgelegt. „Hör mal, irgendetwas stimmt hier nicht!“, meinte er leise zu mir. „Das hat bestimmt etwas mit dem seltsamen Anruf zu tun!“, fiel mir ein. „Kannst du dich denn nicht an das Gespräch erinnern?“ Ich hatte das einmal in einem Krimi im Fernsehen gesehen. Der Kommissar hatte genau diese Frage gestellt. „Lass mal überlegen.“ Micha kratzte sich am Kopf und streifte seine Schürze zurecht. „Du weißt ja, dass Italienisch nicht gerade meine Stärke ist!“ Plötzlich kam ein gutaussehender Mann mit einem langen Mantel ins Eiscafé. Er blickte um sich, schien etwas zu suchen. Der Mann kam auf uns zu. „Luigi da?“, raunte er Micha zu. „Nein!“, platzten wir beide gemeinsam heraus. „Ich bin sein Bruder, Claudio! Wann habt ihr ihn zuletzt gesehen? Luigi steckt in Schwierigkeiten. Er hat mir auf dem Handy eine Botschaft geschickt. Nur – ich kann sie nicht verstehen.“ „Was stand denn drin?“, fragte ich neugierig. „In Venedig gibt es das beste Eis!“, erwiderte Claudio. „In Venedig ... was soll das denn heißen?“, grübelte Micha. Ich versuchte, den gestrigen Tag noch einmal durchzugehen. Was war anders gewesen als sonst? Mir fiel die Dame mit dem rosa Hut ein. Sie hatte in unserer Gondelecke gesessen. „Die Gondelecke!“, schrie ich und alle Gäste schauten mich erstaunt an. „Das Lokal schließt für heute!“, befahl Micha und deutete den Gästen an, dass sie das Romeo verlassen sollten. „Familienangelegenheit!“, grummelte Micha. Die Gäste verließen murrend das Lokal. „OK, lasst uns die Gondelecke unter die Lupe nehmen!“, meinte Claudio. Wir schauten auf dem Boden nach, unter den Kissen, drehten sogar alle Stühle um. Plötzlich kam ich auf die Idee. Ich nahm das Bild von der Wand, auf dem eine Gondel zu sehen war. Es war außergewöhnlich schwer. Langsam stellte ich es auf den Boden und drehte es um. Uns stockte der Atem.