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Sarah ging durch die Dortmunder Innenstadt. Sie brauchte dringend noch ein Geschenk für Florian, ihren neuen Freund. Ein Handyanhänger war ja wohl eher was für Mädchen – also nicht. Ein Buch? Na ja. Am liebsten hätte sie ihm ein cooles Shirt gekauft, aber die, die ihr gefielen, waren unbezahlbar und halbe Sachen konnte sie nicht leiden. Sie hatte einen genialen Einfall. Sie würde einen Memory-Stick kaufen, den gab´s im Angebot und dann wollte sie jede Menge Lieder und ein paar nette Fotos abspeichern. Sie könnte ja noch ein paar witzige Sachen mit ihrem Handy filmen. Also machte sie sich auf ins Gewühle. Wie immer grinste sie der blöde Kaufhausdetektiv an der Rolltreppe an. Schwarze gegelte Haare und Muskelmann hoch 10. Sie fand solche Typen total bescheuert. Flo war ganz anders. Er hatte eine blonde Strubbelmähne und sah eigentlich immer so aus, als wenn er gerade aus dem Bett aufgeschreckt worden wäre, natürlich mit Jeans und so. Er war hoffnungslos chaotisch. Leider auch immer pleite. Sarah musste in Gedanken an ihn grinsen. Sie selbst hatte eine super Figur und immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Deswegen waren einige Mädchen aus der Klasse auch neidisch auf sie. Obwohl sie nicht immer in Markenklamotten herumlief, war sie doch bei den Jungen sehr beliebt. Eine von den Zicken aus ihrer Klasse sah sie gerade bei den Kopfhörern in der CD-Abteilung. Die hört bestimmt so´ ne Popschnulze, dachte Sarah, als sie an ihr vorbeiging. Es war mal wieder total voll und auf einmal stockte ihr der Atem. Da stand Flo – zusammen mit drei ziemlich mies aussehenden Typen, die ihn irgendwie umkreist hatten. Die Lage sah nicht sonderlich einladend aus, aber Sarah spürte, dass sie ihren Freund unterstützen musste. „Hi!“, säuselte sie. „Zisch ab, Perle!“, raunte ihr der scheinbar coolste Typ zu. „Haste mal 50 Euro, Kleines? Ich stecke echt in der Klemme!“, flüsterte ihr Florian zu. Sarah verdrehte die Augen und steckte ihm den Schein zu, den sie die ganze Zeit zwischen den Fingern gerollte hatte. „Mehr habe ich nicht!“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Ok, Jungs! Hier ist eine Anzahlung. Den Rest gebe ich euch später – heute Abend – Treffpunkt am Kiosk!“, stotterte Florian. Er machte auf dem Absatz mit Sarah im Arm kehrt und ließ die sichtlich genervten Typen einfach stehen. Florian und Sarah sprachen kein Wort miteinander. Sarah ging viel durch den Kopf. Was hatte Flo mit diesen Typen zu tun? Sie schlenderten wortlos noch durch die Gänge und dann ab zur Rolltreppe. Da war ja wieder dieser Super-Kaufhausdetektiv... „Darf ich mal in deine Tasche schauen?“ Jetzt guckte er nicht mehr so freundlich. „Was haben wir denn da?“, fragte er stirnrunzelnd. Sarah blickte sich verzweifelt um. Flo war nicht mehr da. Der Typ hielt ihr einen ca. 500 Euro teuren originalverpackten Camcorder entgegen...
... Sarah sagte: „Äh, äh! Das ist nicht meiner! Ich kann mir das nicht erklären, wie der in meine Tasche gekommen ist.“ Der Detektiv sagte in lautem Ton: „Jo, klar Puppe. Das kannst du einem Doofen erzählen!“ Der Detektiv nahm Sarah mit nach hinten in einen kleinen schlecht beleuchteten Raum. Das Verhör dauerte nicht lange, da der Detektiv sie doch die ganze Zeit beobachtet hatte. Er hatte nur nicht gesehen, wer denn jetzt nun diesen Camcorder in die Tasche getan hatte. Sarah sagte: „Ich glaube, es war Florian, mein Freund. Als er mich umarmt hat, spürte ich, wie etwas an meiner Tasche zog.“ „Das ist gut. Allerdings ist das nur eine Vermutung. Ich würde sagen, du sprichst mal mit deinem Freund über diese Geschichte und dann rufst du mich an, wenn du Genaueres weißt. Hier ist meine Nummer: 016275...!“ „OK, mache ich!“, sagte Sarah. Sie konnte und wollte nicht glauben, dass ihr Freund so etwas tun würde. Es war nun schon 7 Uhr abends und ihr fiel ein, dass Flo sich doch am Abend am Kiosk mit den drei Typen treffen wollte. Also ging Sarah sofort zum Kiosk, kletterte eine kleine rostige Leiter hoch auf das Dach und konnte die Lage nun gut beobachten. Flo kam gerade aus dem Kiosk, wo ihn aus der dunklen Ecke zwischen Becker und Kiosk eine Hand an der rechten Schulter packte. Sarah konnte nicht alles sehen, nur so viel, dass Flo ihm Geld gab und er dafür ein kleines Tütchen bekam. Am selben Abend ging Sarah zu Flo rüber, um mit ihm zu reden. Er wohnte ganz unten, sodass sie in sein Zimmer gucken konnte. Er packte sein kleines Tütchen aus. Es war so ein braunes pulverartiges Zeug darin. Sarah war so erschrocken, dass sie nichts mehr sagen konnte, weder „Hör auf!“ noch „Hilfe!“. Er hatte eine Coladose vorbereitet und fing an damit herumzuhantieren. Jetzt wurde die Sache aber heftig. Sarah hatte gedacht, dass er das alles nur macht, weil er ein bisschen herumalbern wollte, bis er allerdings die Spritze aus dem Bettkasten nahm. Er füllte das Zeug in die Spritze und wollte gerade... als Sarah voller Angst die Scheibe einschlug. Florian hatte sich so erschrocken, dass er die Spritze in die Wand geworfen hatte. Sarah rief sofort den Detektiv an und erzählte ihm alles. Es dauerte nicht lange, da war er schon da. Er nahm die beiden mit zum Verhör. Flo sagte: „OK, ich sage euch alles, aber mit der Camcorder-Sache habe ich nichts am Hut. Also das ist so: Die drei Typen haben eine Gang. Da wollte ich unbedingt dabei sein, aber dafür muss man ein paar Proben bestehen. Man muss am Anfang 100 Euro zahlen als Aufnahmegebühr, dann muss man etwas, was teuer ist, klauen und sich Drogen spritzen. Der eine Typ, der Anführer, hat mit diesen Camcorder in die Hand gedrückt und ich habe gesagt >>Nein!<<, also hat der Typ es meiner Freundin in die Tasche getan.“ Der Detektiv fragte: „Wie alt bist du überhaupt? Und wie alt sind diese Typen?“ „Naja, ich bin 13 und diese Typen sind alle 18. Ja, ich weiß, die sind viel zu alt, aber die sind so cool!“, sagte Flo.
Sarah schrie: „Wie kann man nur so blöd sein, sich auf so eine Sch.... einzulassen?“ „Oh nein, jetzt bin ich tot!“, stotterte Florian.
3 Tage nach dem Verhör sah Sarah einen Krankenwagen vor Flos Haus. Der Detektiv war auch schon vor Ort. Florian war zusammengeschlagen worden. Die Typen hatten es wohl irgendwie herausbekommen. „Ich habe sie gerade gesehen!“, rief Sarah zum Detektiv. „Dort entlang!“ Sie rannten so schnell wie möglich bis zu einer Brücke. Die 3 standen am Geländer der Brücke. Der Detektiv sagte leise zu Sarah: „Ist dir aufgefallen, dass die immer schwarze Gewänder anhaben und man ihr Gesicht nie erkennt?“ Alle 3 sprangen von der Brücke. Der Detektiv und Sarah rannten unter die Brücke, doch von den 3 war keine Spur zu sehen. |