Eröffnungsreferat: Sozialpädagogische Familiendiagnose in der Jugendhilfe AG 07
   

Nach der Begrüßung kam Herr Professor Uhlendorff der Universität Dortmund zu Wort.

In dem Referat stellte er klar heraus, dass sich Diagnosen im Verlauf der Geschichte verändert haben und oft in Konkurrenz zueinander standen und stehen.

Er versuchte mit Nigel Barley und seinem Buch „Die Raupenplage“ darzulegen, dass die Personen, die mit Diagnosen zu tun haben, sich die Diagnosen so legen und auswerten, wie sie sie haben wollen. Diagnosen, so sagt er, sind Ratespiele um einen Sachverhalt zu klären. Jeder kann entscheiden, ob er an Diagnosen glaubt oder nicht.

Probleme mit Diagnosen hatten schon die ersten Jugendbehörden in Hamburg, Kassel und Mainz. Die Jugendbehörden stellten sich die Fragen „Wie definiert man Jugendbedürfnisse und wie kann man ihnen bei ihren Problemen helfen?“ Auch die Begründung ist wichtig, da man sonst kein Geld vom Land bekommt.

Hier ein Auszug aus dem Manuskript der Modelltypen von „Sozialmanagement“ in der Jugendhilfe (chronologisch geordnet):

Das bürgerschaftlich-kollegiale Modell:

Definition, Planung und Kontrolle der Hilfen durch ein Kollegium pädagogisch kompetenter Bürger

Das Expertenmodell:

Definition, Planung und Kontrolle der Hilfen durch Experten

Das Kooperationsmodell:

Definition, Planung und Kontrolle durch ein Fachteam unter Mitwirkung der Betroffenen

Zum Ende seiner dreißigminütigen Rede stellte er heraus, dass Jugendämter in der heutigen Zeit entlastet werden müssten, um flexibler zu sein.

Hier noch einmal einige Eingangs-Thesen:

  • Diagnosen sind Ratespiele, um einen Sachverhalt zu klären. Jeder kann entscheiden, ob er an Diagnosen glaubt oder nicht.
  • Probleme gab es schon um das 19. Jahrhundert der Jugendbehörden; Hier stellen sich die Fragen: Wie definiert man ein Jugendbedürfnis? Wie begründet man?

weitere Thesen:

  • Die soziale Arbeit hat sich im Verlauf ihrer Geschichte unterschiedlicher Diagnoseverfahren bedient, die oft in Konkurrenz zueinander standen und sich dadurch behindert haben. Die Geschichte der Jugendhilfe lässt sich am Beispiel der Diagnose als eine Geschichte von Professionskämpfen beschreiben.
  • Diagnosen sollen die Hoffnung erfüllen, sozialpädagogisches Handeln planbar zu machen und Rationalitätskriterien zu unterwerfen. Allerdings geht sozialpädagogisches Handeln in der Praxis darin nicht auf. Sozialpädagogisches Handeln und professionelle Entscheidungen bleiben mit Unwägbarkeiten behaftet. Pädagogische Handlungsfelder, administratives Handeln in der Jugendhilfe tragen immer auch irrationale Momente in sich.

 

Sven, Sascha und Svenja

 

AG 08
Bericht