22.02.2006
Titel des Workshops: Tiergestützte Pädagogik II
  Unere Tiere als Erziehungshelfer
     
     
Leitung des Workshops: Peter Wilmers (Vincenzheim Ausbildungsstätte Dortmund)
Monika Primmer (Vincenzheim Ausbildungsstätte Dortmund)
     
     

Tiergestützte Pädagogik - eine Chance für die Jugendhilfe?

Die Arbeit beginnt! Nun ist es Zeit, die ersten Arbeitsgruppen zu besuchen, um anschließend einen Bericht darüber zu verfassen. Sven, Svenja und Sascha suchen sich den Workshop „Tiergestützte Pädagogik“ aus.

Im ersten Stock angekommen, sehen wir von weitem schon den mit Heu bestreuten Flur. „Das muss es sein!“, schießt es uns gleich durch den Kopf. Der Kurs läuft schon 5 Minuten. Das heißt schnell rein und hinsetzen. Freundlich werden wir mit einem netten „Hallo“ begrüßt. „Da kommen ja die rasenden Reporter“, wirft ein Mann ins Gespräch. Der Boden des Seminarraumes ist genau wie der Flur mit Heu bestreut. In einem großen Kreis sind Heuballen aneinander geschoben. Der Kurs ist voll besetzt. Gleich beginnt Herr Peter Wilmers mit der Begrüßung. Er bitte alle, sich nacheinander vorzustellen. Als wir an der Reihe sind, sagen wir stolz: „Wir sind Svenja, Sven und Sascha, kommen von der Johann-Gutenberg-Realschule und habend den Auftrag einen Bericht über diesen Kurs zu schreiben.“ Wir sind nicht die einzigen Schüler in diesem Kurs. Aus allen Altersgruppen kommt das Interesse an diesem Thema. Aussagen wie „Wir sind einfach interessiert an diesem Thema“ oder „Ich werde bald meine Diplomarbeit schreiben“ kommen zum Besten. Die Vincenzheim Ausbildungsstätte e.V. beschäftigt sich schon lange mit der Tierpädagogik.

Unsere Fragen sollen als erstes beantwortet werden, sagt Herr Wilmers und schreitet zur Tafel. Folgende Fragen sammelt sich dabei an:

  • Welche Tiere werden bzw. sind nützlich, um in die tiergestützte Pädagogik eingesetzt zu werden?
  • In welchen Bereichen ist es nützlich mit Tieren zu arbeiten?
  • Wird die artgerechte Haltung der Tiere eingehalten?
  • Welche Qualifikationen muss eine Betreuer, der mit Tieren arbeitet, mit sich bringen?
  • Was ist mit dem finanziellen Aspekt?
  • Wie und wann ist die Arbeit mit den Tieren entstanden?
  • Was für Erfahrung hat man mit solcher Arbeit gemacht? Wo liegen die Grenzen?

Vorerst müssen wir uns allerdings verabschieden, da wir noch zu anderen Workshops müssen.

Nach der Mittagspause geht es erneut zum Raum 186. Hier wird gerade ein Beitrag zum Thema „Reiten – eine Erziehungshilfe“ geliefert. Leiterin dieses Vortrags ist Christine Gutschalk, die Reittherapeutin auf dem den Reit- und Bauernhof Strüverhof ist, wo sie aggressiven, verhaltens- und wahrnehmungsgestörten und hyperaktiven Kindern, aber auch geistig behinderten jungen Frauen Reitstunden gibt und sie in die Stallarbeit und die Pferdepflege mit einbezieht. Sie spricht von großen Erfolgen mit ihren Methoden, die nicht darin bestehen, die Jugendlichen zu Spitzenreitern zu machen, sondern ihnen den Umgang mit Pferden und anderen Tieren nahe zu bringen. Sie erklärt ihnen, dass die Verhaltensweisen der Kinder sich unweigerlich auf das Pferd überträgt. Zum Beispiel, dass das Pferd nervös wird, wenn das Kind rumhüpft, schreit oder wild herumrennt. Aber auch, dass das Pferd auf die Befehle und Hilfen reagiert, die der Reiter ihm gibt. Christine Gutschalk will damit erreichen, dass die Kinder sich ein Ziel machen, in diesem Fall nun mal, dass das Pferd das macht, was man gerade von ihm verlangt.

Sie erzählt von verschiedenen Fällen, wie einem Mädchen, das ihr beim Reiten ausführlich über ihren versuchten Selbstmord erzählte. Für dieses Mädchen ist es eine Art, diesen Vorfall zu verarbeiten, und das tut sie nur auf dem Pferd. Zum Schluss lässt sie noch Fotos herumgehen, auf denen man Jugendliche sieht, die reiten oder voltigieren.

Peter Wilmers erzählt von seinem Wohnheim in Dortmund-Kirchhörde, in dem er gezielt Tiere einsetzt. Hausschweine, Hasen und Hunde, sowie Hühner. Auch sollen bald zwei Ponys angeschafft werden, die dann auf die neben dem Haus gelegene Weide sollen. Er erzählt von Traumatisierungen und Misshandlungen, auch von Kindern, die nie genug Liebe erfahren haben, die an den Tieren Halt gefunden und zu ihnen eine feinfühlige Beziehung aufgebaut haben. Er berichtet von einem Jungen, der nach einem Hausbrand nicht mehr sprechen wollte. Peter Wilmers ging mit ihm zum Hühnerstall und stellte ihm Fragen, die er nicht mit einem Kopfschütteln oder Nicken, also „Nein“ und „Ja“, beantworten konnte, sondern etwas erzählen musste. Tatsächlich fing er plötzlich an zu reden „wie ein Wasserfall“. Peter Wilmers wusste plötzlich nicht mehr, was er tun sollte, er wusste dass ihm das keiner glauben würde, wenn sie wieder zurück auf der Terrasse wären und andere wieder dabei stehen würden. Doch der Junge hatte sich entschlossen, weiterhin zu sprechen. Nach seiner Entlassung und der Trennung von Betreuern, Tieren und Freunden, verliert er wieder die Lust am Reden. Die Überlegung ist, ihn weiterhin aufzunehmen.

Dies und noch viel mehr haben wir in den knappen zwei Stunden, in denen wir in dem Raum waren, erfahren. Es war interessant, zuzuhören, was sich alles nur durch das Dasein von Tieren entwickeln kann. Sie sagen, Tiere wecken Vertrauen, Respekt, Liebe, Zugänglichkeit und Spaß. Wir, die selber Hunde, Hasen und Pferde besitzen, sehen das ganz genauso!

Weitere Informationen gibt ihnen die Homepage www.vincenzheim.de oder www.strueverhof.de

     

 

Sascha, Svenja, Sven    
     

AG 5

Oft haben schon kleine Kinder mit ca. 5 Jahren ein Haustier, manchmal einen Hund oder eine Katze. Manchmal haben sie auch einige Tiere wie Hamster oder Meerschweinchen. Durch ihre Tiere lernen sie besser Verantwortung zu übernehmen.

In einer gewissen Weise tröstet das Tier durch Zuwendung und Nähe. Dabei baut sich eine Freundschaft zwischen Mensch und Tier auf.

Die Außenwohngruppe liegt im südlichen Dortmunder Ortsteil Kirchhörde in der Nähe eines Waldes:

  • ein zweigeschossiges Wohnhaus in dem 9 Mädchen und Jungen im Alter von 7- 14 Jahren wohnen können
  • Betreuung der Kinder durch 5 pädagogischen Fachkräfte im Schichtdienst rund um die Uhr
  • Team wird durch eine Reinigungskraft, eine Hauswirtschaftlerin und einen Mitarbeiter für die Pflege des Gartens nebst Praktikanten ergänzt.
  • Außenbereich umfasst 2700 m² und bietet den Kindern und Tieren genügend Raum zur Entfaltung.

Das Heim hilft Kindern mit unterschiedlichen Erziehungs- und Sozialisationsdefiziten und Familien, in denen die Kindern nicht mehr leben können.

Hier erfahren die Mädchen und Jungen

- Alltagsstruktur

- Entwicklung Sozialer Kompetenzen

- Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung

- Lern- und Entwicklungschancen

- Stärkung des Selbstwertgefühles

- Schulischen Unterstützung und Förderung

- Freizeitgestaltung

- Aufbau von Freundschaften und Kontakten

- Altersentsprechende Sexualerziehung

- Erlernen eines respektvollen und sensiblen Umgang und Pflege der Tiere

Dieser Beitrag entstand in Anlehnung an das Workbook.

Pia, Lisa, Jan, Lisa

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